31. Januar 2014 - LICHTMESS oder SAINT BRIDGID'S DAY

"Es schlafen Bächlein und Seen unterm Eise, es träumt die Welt einen tiefen Traum..."

Heute ist der Abend vor Lichtmess oder dem Saint Bridgid’s Day. Das ist das erste der Jahreskreisfeste und markiert die halbe Strecke zwischen der Wintersonnenwende und der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr. Es ist so richtig Winter jetzt, mit Schnee und Eis. Früher hieß es man solle zu Lichtmess noch die Hälfte des Wintervorrats an Futter in der Scheune haben, damit das Vieh die lange Zeit, bis das Gras wieder wächst, übersteht. Sonst drohte Hunger - auch für die Menschen.

Aber es hieß auch: zu Lichtmess sieht man zum ersten mal wieder Sonnenlicht zur Frühmesse. Das muss schön gewesen sein in den klassisch nach Osten ausgerichteten Kirchen. Ich stelle mir vor, wie man mit kalten Füssen, in Schals gewickelt auf den harten Bänken im schwachen Kerzengeflacker saß und plötzlich begannen die bunten Fenster über dem Altar zu leuchten und zu glühen als draußen die Sonne aufging. Wie es einem das Herz heben muss.
Genauso wie ein klarer, kalter Wintertag, an dem sich nach so vielen grauen Wochen, der blaue Himmel wölbt und der Schnee in der Sonne glitzert. Noch schläft die Welt unterm Schnee, aber bald werden im Wald die kleinen Wildschweine geboren und den schwangeren Schafen in den Ställen schießt die Milch ein. St. Bridgid’s Day ist eines der Vegetationsfeste, ein allererstes Versprechen an den Frühling.

Und auch ein Tag der Wetter-Divination – und da sind schönes Wetter und Sonnenschein plötzlich gar nicht mehr so willkommen. Ein altes Sprichwort sagt: "Kann der Dachs an Lichtmess seinen Schatten sehen, geht er noch mal sechs Wochen in seinen Bau". Es gibt jede Menge Reime, die alle beschreiben, dass ein sonniger, klarer 1. Februar einen langen Winter zur Folge hat. Laut einer schottischen Legende geht Caillach, die heilige Alte, die mit ihrer Axt die wilden Berge formt und deren Wanderstab die Erde gefrieren lässt, an diesem Tag das Feuerholz für den restlichen Winter sammeln. Da sie eine Personifikation der elementaren, zerstörerischen Kräfte der Natur ist, hat sie natürlich was für Winter und Frost übrig (vielleicht ist sie ja eine Kusine der russischen Babajaga...), also sorgt sie für helles Licht, damit sie viel Holz finden kann. Manchmal verschläft sie allerdings und dann stürmt und schneit es und der Frühling kommt bald....

 

 

 

MITTWINTER - 21.Dezember 2013.

„Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten...“

Heute ist der 21. Dezember, Mittwinter, der kürzeste Tag des Jahres. Und die längste Nacht. Die Dämmerung fällt bereits .... Eigentlich wollte ich ja was über die Mistel schreiben, diese spannende, alte Zauberpflanze. Aber es will mir nicht so recht von der Hand gehen. Vielleicht weil der Kuss unterm Mistelzweig eher zu den Fruchtbarkeitszaubern gehört & in dieser Nacht, die jetzt schon schwarz an mein Fenster drückt, geht es um etwas anderes: um Hoffnung & Versprechen & die Wiederkehr des Lichts.

Von den acht Jahreskreisfesten sind die beiden Sonnenwenden wohl am tiefsten im Bewusstsein geblieben. Besonders im Norden natürlich, wo die Sommer hell & die Winter lang & kalt & dunkel sind. Obwohl es hier noch nicht besonders kalt ist & ich die Vorweihnachtszeit liebe, fällt es mir dieses Jahr besonders auf, das Schwinden des Lichts, das beständige Anwachsen der Nacht....

Ganz oben in Lappland verschwindet die Sonne im Winter ganz & gar. Da kann die Nacht tage- oder sogar wochenlang dauern. Ich habe mir immer – halb mit Faszination, halb mit Grauen – vorgestellt wie das sein muss, die ewige Nacht: der schwarze Himmel voll gleißender Sterne, das Japsen der Schlittenhunde, das Knirschen der Kufen im Schnee & die Nordlichter natürlich....
Eine romantische Vorstellung, die von einem geliebten Kinderroman geprägt ist. Er heißt, glaube ich, Naitha & erzählt die Geschichte eines Samen-Mädchens auf den letzten Wanderungen ihres Volkes mit den großen Rentierherden, bevor die Nomaden gezwungen wurden sesshaft zu werden. Sie erzählt von der Kälte & der Dunkelheit, dem Leben in engen, halb im Boden & unter Schnee begrabenen Hütten & der großen Sorge, das die Nacht diesmal vielleicht wirklich ewig dauern würde. Denn alljährlich wird der Gott des Lichts von den Mächten der Finsternis gefangen genommen & in einem Verließ tief unter den Bergen eingekerkert. Und wer weiß schon so genau, ob es ihm auch dieses Mal gelingt seine Ketten zu sprengen, all die Dämonen, die ihn bewachen nieder zu ringen & den Weg an die Oberfläche zurück zu finden?
Der erste Schimmer einer Dämmerung wurde also mit großer Erleichterung begrüßt & wenn sich tatsächlich die erste schmale Wölbung der Sonne über dem Horizont zeigte, strömten die Menschen ungeachtet der Kälte ins Freie, um sie willkommen zu heißen. Selbst die während der Dunkelheit neugeborenen Babys wurden der Sonne entgegengehalten, damit sie an dem Wunder des wiederkehrenden Lichts teilhaben konnten.

Die Mittwinternacht markiert die Mitte des Winters. Die eigentliche Kälte & die zweite Hälfte der Dunkelheit stehen uns also erst noch bevor. Kein wirklich sympathischer Gedanke. Aber dunkler als heute wird es nicht mehr.
Ich werde jetzt Strumpfhosen anziehen & dicke Stiefel. Bei einer Freundin gibt es wie jedes Jahr ein Feuer im Garten. Und Bier & Glühwein. Und heiße Suppe. Kein feierlicher Abend sondern einer mit Gelächter & Geschichten & alten Freunden. Meist wirft irgendwann jemand ein bisschen Räucherharz in die Feuerschale & im aufsteigenden Duft glaube ich daran, dass die Erde sich weiter dreht, ich auch diesen Winter überstehen werde....

 

 

 

HALLOWEEN - 31. Oktober 2013.

Heute ist Halloween – All Hallows Eve, der Abend vor Allerheiligen. Das endgültige Ende des Sommers & der Begin des Winters.
Dies ist der Tag an dem ich meinen Garten sauber mache, die letzten Topfpflanzen ins Haus räume & die Gartenmöbel ins Winterquartier bringe. Derweilen köchelt drinnen auf dem Herd eine Kürbissuppe vor sich hin. Es ist ein Tag zum Aufräumen, Ordnen, Nachdenken.

Halloween bzw. Samhain ist eines der Jahreskreis-Feste an dem ursprünglich das Ende der Erntezeit und der Begin des Winters rituell gefeiert wurde. Die letzten Äpfel sind im Keller, das Vieh von den Weiden in den Stall gebracht - jetzt können Kälte und Dunkelheit kommen.
Für die Kelten begann das Jahr mit dem Winter, Samhain war also der Neujahrstag. Ein Übergang von einem Zustand in den nächsten & daher eine Zeit, in der die Schleier zwischen dieser Welt & der anderen dünn werden - eine Nacht in der die Geister der Ahnen zu Besuch kommen können.
Um das eine Jahr ordentlich abzuschließen und das Neue zu begrüßen, wurde das Haus einschließlich der Feuerstelle gründlich geputzt. Aber um den Herd zu reinigen muss er kalt sein, also ließ man das Feuer des alten Jahres verlöschen, bevor die Asche ausgekehrt wurde. In der Dämmerung verließen die Leute ihre sauberen, dunklen Häuser. Auf dem Tisch standen Speisen für die Ahnen, die Kinder bekamen Äpfel oder süße Kuchen und man sammelte sich auf dem Dorfplatz um ein kommunales Feuer zum gemeinsamen Feiern. Und aus diesem Feuer wurde für jeden Haushalt eine glühende Kohle entnommen & nach Hause gebracht, um das neue Herdfeuer zu entzünden. Transportiert wurden sie in einer ausgehöhlten Rübe. Da die erste Winternacht dunkel war & von umherschwirrenden Geistern wimmelte, war der Weg nach Hause unheimlich – schließlich sind nicht alle Ahnen freundlich. Um die Böswilligen abzuwehren, wurden in die Rüben abschreckende Fratzen geschnitten. Eine Tradition, die sich im Kürbis auf der Türschwelle bis heute erhalten hat.

Ich räume meinen Garten auf, schaffe Ordnung bevor der Winter einzieht & in der Dämmerung zünde ich Kerzen an für die Toten, die ich vermisse. Am Abend kommen Freunde zu Suppe & Rotwein & Feuer im Garten & zünden Kerzen für ihre Lieben an. Sie brennen die Nacht durch.

 

 

 

 

1. Oktober 2013.

ich habe ein altes Herbstlied im Kopf ....

"Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind."